BETROFFENHEIT:
Früher haben wir viel öfter zu Hause gegessen. Wir liessen uns von unserer Mutter bekochen und nutzten unsere Zeit für anderes. Seit wir nicht mehr zu Hause wohnen, fällt diese Essensquelle weg und wir sind für unsere Ernährung selber verantwortlich. Das, bedeutet für uns Zeitinvestition und ein Abwägen des Aufwandes für Essenszubereitung. Immer mehr greifen auch wir aus Mangel an Zeit oder aus Bequemlichkeit zu Fastfood. Eigentlich sind wir uns im Klaren, dass Fastfood keine gesunde Ernährung für uns darstellt. Aber wir handeln trotzdem immer wieder gegen unsere innere Überzeugung.
ANALYSE DER BEDÜRFNISSE:
Wir haben sehr schnell Zugang zu Fastfood und Fertigprodukten, weil sie in Tankstellen, in der Migros oder im Coop, in Take-Aways oder an verschiedenen Imbissständen angeboten werden.
Mit der Einnahme des Fastfoods stillen wir unseren Hunger und gewinnen durch den Verzicht der eigenen Zubereitung an Zeit. Wir haben ebenfalls festgestellt, dass uns eine selbstgemachte Pizza, Lasagne usw. teurer kommt, als wenn wir ein Fertigprodukt in der Migros kaufen und in den Ofen schieben.
Der weite Arbeitsweg und die gegebenen Umstände am Arbeitsplatz erlauben die Zubereitung von Mahlzeiten nicht. Deshalb fällt es den Menschen einfacher am Imbissstand um die Ecke oder bei Mac Donalds vorbeizuschauen.
Die mangelnde Fähigkeit an Kochkünsten und die gegebenen Familienverhältnisse der heutigen Zeit (Kinder sind am Mittag alleine zu Hause, Erwerbstätigkeit beider Elternteile) verleiten immer mehr zum Gebrauch von Fastfood oder Fertigprodukten.
ANALYSE DER HANDLUNGSBEDINGUNGEN:
Die gegebenen finanziellen Mittel, erlauben den Konsum von Fertigprodukten und Fastfood. Das Angebot ist immens und bietet für jeden Geschmack das passende Produkt. Bevorzugt man chinesisches Essen, geht man zu einem chinesischen Take-Away, hat man Lust auf einen Burger geht man zu Mac Donalds, wenn man einen Kebap essen will, schaut man beim türkischen Imbissstand vorbei usw. Die Möglichkeiten sind fast grenzenlos. Sogar sonntags bietet die Tankstelle zahlreiche Fertigprodukte an.
Die Zubereitung der Fertigprodukte nimmt sehr viel weniger Zeit in Anspruch als die selber zubereitete Mahlzeit. Beim Besuch einer Fastfood-Kette fällt die Wartezeit sehr kurz aus, da eine Massenabfertigung stattfindet und die Produkte schon fertig bereitstehen.
Für viele Menschen ist es wichtig, Produkte zu konsumieren, deren Geschmack sie bereits kennen. Vor allem, wenn man in einem fremden Land ist, deren Esskultur einem nicht bekannt ist, greift man gerne auf einen Geschmack zurück, den man kennt.
Die unkomplizierte Esskultur, die lockere Atmosphäre in Fastfoodlokalen und der Verzicht auf traditionelle Essensriten und Tischmanieren sind ebenfalls Gründe, für die Auswahl dieser Ernährungsform.
FACHLICHE AUFARBEITUNG:
Die Schnellverpflegungsgastronomie ist aus verschiedenen Gründen besonders attraktiv für Jugendliche: so herrschen dort geringe soziale Zwänge und eine ungezwungene Atmosphäre (keine Tischsitten, kein Besteck und Geschirr, einmal bestellen, lange sitzen bleiben usw.). Jugendliche können sich dadurch in einem gewissen Sinne auch von der Erwachsenenwelt abgrenzen.
Zudem sind Angestellte in Schnellverpflegungsrestaurants oftmals jung und sprechen dieselbe Sprache. Weiter nicht zu vernachlässigen sind die günstigen Preise und Standorte, welche oft neben Bahnhöfen, Kinos etc. liegen. Schliesslich schaffen die Systemgastronomen mit der Standardisierung ihres Angebotes ein Gefühl der Vertrautheit und Orientierung, ein bei den heute oftmals überfordernden Wahlmöglichkeiten in allen Lebensbereichen nicht zu unterschätzender Faktor.
Auch verschiedene gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahrzehnte haben zur Beliebtheit von Schnellgerichten geführt. Dazu gehören der heutzutage generell vorherrschende Zeitmangel, unsere zunehmende private und berufliche Mobilität, der zunehmende Spielraum für individuelle Lebensgestaltung sowie veränderte Familienstrukturen (mehr Einpersonenhaushalte, mehr erwerbstätige Mütter etc.).
In der Schweiz sind jedes 5. Mädchen und jeder 6. Knabe zwischen 6 und 12 Jahren übergewichtig. Wer als Kind dick ist, wird es mit grosser Wahrscheinlichkeit auch als Erwachsener sein. Deshalb sind Prävention und Therapie bereits im Kinder- und Jugendalter so wichtig.
Die Ursprünge des Fast Food gehen bis auf die Anfänge des 19. Jahrhunderts zurück, als das industrielle Zeitalter begann. Damals mussten die Leute 12 bis 14 Stunden pro Tag arbeiten. Da kaum Zeit blieb für lange Essenspausen, entstanden damals vor den Fabriken die ersten Imbissbuden und Kioske. Heute ist die (schnelle) Ausser-Haus-Verpflegung längst zu einem unverzichtbaren Teil unseres Lebensstils geworden. In der Schweiz essen zum Beispiel fast ein Fünftel der Jugendlichen mehr als zweimal pro Woche Schnellgerichte – wobei Knaben generell häufiger darauf zurück greifen als Mädchen.
http://www.sge-ssn.ch/d/printmedien/wissenschaftliche_publikationen/uebergewicht_bei_kindern/index.html
Weiterführende Literatur:- http://www.sprechzimmer.ch/include_php/previewdoc.php?file_id=2002
- www.feelok.ch
- http://de.wikipedia.org/wiki/Fastfood
- http://www.mcdonalds.ch/de/Default.asp?flash=true
- http://www.nutrinet.ch
- Zopp B., (1996) Ernährung, Zürich, Verlagsinstitut für Lehrmittel
- Ulrike Eberle (2006), Ernährungswende-Eine Herausforderung für Politik, Unternehmen und Gesellschaft, München, Oekom Verlag
- Gesundheitsförderung in der Schule, Lehrmittelverlag des Kantons Aargau
Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht-
Die Klasse in 2 Gruppen einteilen, eine Gruppe beschäftigt sich mit gesunder Ernährung, die andere setzt sich mit Fast Food und Fertigprodukten auseinander
theoretische Auseinandersetzungà
eigene Erlebnisseà
Gestaltung eines Plakatesà
mit Einbezug des Nachhaltigkeits-Dreiecks:à
Abfallà
Arbeitsbedingungenà
verschiedene Ladenkettenà
saisonale Produkte§
Produktion§
Preis-/Leistungsverhältnis§
Lokale Gewerbe§
kulturelle Unterschiede§
- Pausenkiosk oder einen gemeinsamen Znüni organisieren
- Lebensmittel vergleichen (Wie viel gesunde Dinge kann man essen, an Lebensmittel neben einander legen,àStelle eines Hamburgers? visualisieren
- Ernährungstagebuch
- Ernährung mit Bewegung ausbalancieren, anhand vorgegebener Übungen (Banane = 10x Hampelmann, Hamburger = 30 Liegestütze, usw.)
Überprüfung des Umsetzungskonzepts am Beispiel Pausenkiosk
Exemplarisch aus allen Umsetzungsmöglichkeiten für das Thema Ernährung / Fast Food analysieren wir den Pausenkiosk anhand der Grundsätze und Qualitätsmerkmale für den Unterricht in Mensch und Umwelt.
Fokus Kind
- Kindgemässheit: Der Pausenkiosk soll von Kinder für Kinder sein. Es soll ihnen aufzeigen, welche Lebensmittel gesund sind und welche ungesund. Den Vorgang von Lebensmittel kaufen bzw. verkaufen sollte ihnen aus dem Alltag bekannt sein.
- Lebensnähe: Die meisten Kinder bringen einen Znüni mit. Viele Kinder konnten sicherlich auch schon Erfahrungen sammeln, wie man im Migros/Coop Lebensmittel auswählt, bezahlt und zubereitet.
- Gegenwartsbezug und Zukunftsbedeutung: Jedes Kind muss essen. Um in Zukunft gesund und fit zu bleiben ist es wichtig, dass sich die Kinder gesund ernähren.
Fokus Sache:
- Sachgemässheit: Im Unterricht wird die Ernährung anhand der Ernährungspyramide und verschiedenen Lebensmitteln thematisiert. Die Kinder sollen lernen, welche Lebensmittel gesund sind und welche man nur in kleinen Mengen konsumieren soll.
- Multiperspektivität: Eine grosse Vielfalt von verschiedenen Lebensmittel kennen lernen, die zum Znüni geeignet sind. Der Pausenkiosk beinhaltet ebenfalls den wirtschaftlichen Aspekt (verkaufen / kaufen) sowie die soziale Komponente (gemeinsam etwas auf die Beine stellen).
- Vernetzung: Den Kindern wird aufgezeigt, welche Folgen schlechte Ernährungen haben können. Dies kann zum Beispiel anhand von Bildern geschehen. Dadurch wird ihnen die Wichtigkeit von einem gesunden Znüni / einer gesunden Ernährung aufgezeigt.
- Wert- und Sinnorientierung: Unter diesem Aspekt könnte vor allem der (verschwenderische) Umgang mit Lebensmittel thematisiert werden. Oft müssen wir Resten von Lebensmittel fortwerfen, während Menschen in anderen Ländern verhungern. Die Kinder sollen das Essen, welches sie im Pausenkiosk zubereiten, verkaufen und kaufen, wertschätzen.
Fokus Lernen
- Exemplarizität: Der Pausenkiosk ist eine Mini-Version der Migros oder des Coops – mit dem Unterschied, dass nur gesunde Produkte zu einem fairen Preis angeboten werden. Es wird ebenfalls darauf geachtet, dass die Lebensmittel möglichst aus einer nachhaltigen Produktion stammen und in der Region produziert wurden. Die Kinder können so ihr Konsumverhalten trainieren sowie lernen, welches gesunde bzw. ungesunde Lebensmittel sind.
- Problemorientierung / exploratives Lernen: Im Mittelpunkt könnte das Problem „Übergewicht bei Kinder“ stehen. Anhand eines Fotos von einem übergewichtigen Kind könnten die Kinder nachforschen, weshalb das Kind wohl fettleibig wurde, welche Konsequenzen das hat und was man dagegen tun kann. Der Pausenkiosk ist eine mögliche Schlussfolgerung. Der Pausenkiosk sollte möglichst von den Kindern selbstständig, aber mit Hilfe der Lehrperson realisiert werden.
- Handlungsorientierung: Der Pausenkiosk muss aufgebaut werden, die Lebensmittel eingekauft und zubereitet werden. Danach müssen die Lebensmittel verkauft werden, das Geld muss gezählt und evt. auf die Bank gebracht werden. Anhand des Pausenkiosks sind vielfältige Handlungen möglich.
- Originale Begegnung / Realanschauung: Die Kinder arbeiten mit Lebensmittel und richtigem Geld.
- Prozess- und Erlebnisorientierung: Das Projekt Pausenkiosk kann nicht von heute auf morgen realisiert werden. Es bedarf viel Vorbereitung und Hintergrundwissen, welches in den MuU-Lektionen vermittelt wird. Auch wenn das Pausenkiosk-Projekt gestartet ist, gibt es immer wieder Möglichkeiten für Veränderung und Optimierung.
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